Aktueller Impuls

Zum Gleichnis von den Winzern (Mt 21,33-42.44.43)

Mir ist von Gott etwas anvertraut worden - Menschen, eine Aufgabe, Besitz, Macht... Und auch hier die Frage: Wie bist du damit umgegangen? Hast du das, was dir anvertraut worden ist, zur Bereicherung deiner selbst genutzt - oder konntest du es dem geben, dem zurückgeben, von dem du es hattest? Ja - er wird dich, mich, uns fragen, was wir mit dem gemacht haben, was er uns gegeben hat, was er uns anvertraut hat. 
Gott fordert nichts von uns, was er nicht längst in uns hineingelegt und hineingeliebt hätte - und Gott will nicht unsere Leistung, sondern er will die Frucht unseres Seins, unseres Seins in guten und schlechten Jahren, er will nicht unsere makellose Schönheit, sondern liebt uns mit unseren Dellen und braunen Flecken und all dem, womit wir eben nicht der DIN-Norm entsprechen. 

Andrea Schwarz, im Schott-Messbuchh für die Sonn- und Festtage des Lesejahres A

 

Sommerliche Düfte

Ein Sommertag mit schwüler Wetterlage treibt mir Schweißperlen auf die Stirn.

Ich befinde mich auf einem Spaziergang zwischen Mittagessen und Kaffee.

Plötzlich ziehen über mir schwarze Gewitterwolken am Himmel auf. Im Minutentakt wechselt das Wetter gefolgt durch einen böigen Wind, welcher eine angenehme Frische bringt. Die frische Luft duftet wie eine kühle Meeresbrise.

Gefolgt von dieser Windböe weht ein herrlicher Duft von frisch Gegrilltem um meine Nase. Hmmm

Der weitere Weg führt vorbei an wunderschönen Kleingärten mit Blumen und frischem Grün. Aufgrund der dunklen Wolkendecke zeigt sich der Garten in leuchtenden Farben. Zweige mit Rosen ragen über den Gartenzaun und umhüllen meine Nase mit einen betörenden Duft. Darauf folgt ein Gartenstück mit dem Duft nach frisch gemähtem Gras.

An all diesen Düften konnte ich teilhaben und sie genießen.

                                                       Aufatmen

 …mit allen Sinnen die Natur genießen! Dafür darf ich mir einfach auch mal bewusst Zeit nehmen. Schön, dass wir mit dieser Vielfalt von Sinnen ausgestattet sind.    

Regina Stocker

 

 

Auf ein Wort

Stehen auch wir schon wieder vor einem Lockdown? Die neuesten beunruhigenden Nachrichten von einem Fleischverarbeitungsbetrieb aus NRW, der ebenfalls laxe Umgang mit Abstands- und Hygienemaßnahmen von Tennisprofis beim  gerade absolvierten Adria-Cup mit enorm hoher Infektionsrate und nicht absehbarer Ausbreitung, lassen dieses Schreckens-Szenario nicht ausschließen.

Da lob ich mir die strikte Einhaltung aller Vorschriften bei der Durchführung von Gottesdiensten in unserer Seelsorgeeinheit. Und seien sie manchmal auch schwierig zu verstehen und lästig einzuhalten: Maskenpflicht, Abstand halten und vorherige Anmeldung sowie geordneter Zugang unter Kontrolle eines Willkommensteams. Denn diese kommunikative Form von Seelsorge kann nur durchgeführt und wahrgenommen werden, wenn während des Gottesdienstes das Ansteckungsrisiko gegen Null geht. Respektvolles Miteinander und gegenseitige Rücksicht sind und bleiben dabei oberstes Gebot. Sich solidarisch zu verhalten ist manchmal nicht einfach, aber gerade in diesen schwierigen Zeiten unabdingbar für das Gemeinwohl.  

Besser als Dr. Peter Kottlorz*, Senderbeauftragter der Katholischen Kirche am Südwestrundfunk, kann Solidarität nicht beschrieben werden, wenn er sagt:

Geld oder Leben? Das war die Überschrift eines Artikels in meiner Tageszeitung.  Er hat sich mit der existentiellen Frage befasst, vor der die Bundesregierung am Anfang der Corona-Pandemie gestanden hat: Schützen wir die Wirtschaft und lassen wir die Räder weiterlaufen oder schützen wir die Menschen und halten die Räder an?

Und es war eine so richtige wie gravierende Entscheidung sich für den Stillstand zu entscheiden. Denn es gab auch Stimmen, die ein „sozialverträgliches Frühableben“ der Hochrisikogruppen für vertretbar hielten, damit die Wirtschaft nicht an die Wand gefahren wird. Ich bin heilfroh, in einem Land zu leben, das sich auch dann für das Leben entscheidet, wenn der Preis dafür sehr hoch ist. Und Frauen und Männer in politischen Führungspositionen zu haben, die sich dem Prinzip der Solidarität verpflichtet fühlen, wenn es ernst wird. Was überhaupt nicht selbstverständlich ist. Wo doch das „Jeder ist sich selbst der Nächste“ in immer mehr Bereiche unserer Gesellschaft gedrungen ist. Und jetzt bei den Verteilungskämpfen um die Staatshilfen schon wieder zu sehen war.

Aber gerade diese Krise hat doch gezeigt, dass die Summe von Einzelinteressen kein Gemeinwohl hervorbringt. Am brutalsten in Amerika, wo es kein Gesundheitssystem gibt, das auf dem Gemeinwohlprinzip beruht, so wie bei uns, nach dem Motto „Einer für alle, alle für einen“. Selbst wenn ich gesund bin, zahle ich meinen Beitrag, für die, die krank sind. Und werde versorgt, wenn ich es bin. Dieses Solidaritätsprinzip werden wir in nächster Zeit auch in anderen Bereichen brauchen. Wenn die Nachwirkungen des wirtschaftlichen Stillstands voll zur Geltung kommen, wird Solidarität der Schlüssel sein. Der Schlüssel zur Erholung der Wirtschaft und zum sozialen Frieden.

Das heißt: Jeder wird Abstriche machen müssen. Und die, die keine machen müssen, weil sie von der Krise profitiert haben, sollten etwas von ihrem Gewinn abgeben. Und niemand sollte den Blick auf den Menschen neben sich und auf’s Ganze verlieren. Dann, und nur dann werden wir diese Krise auch gut überstehen. Wirtschaftlich, sozial und menschlich.

Denn im Wort Solidarität steckt das Wort solide. Und das heißt: unerschütterlich, fest und tragfähig.“ (Ende des Beitrags)

Schauen wir also hoffnungsvoll in die Zukunft, die wir nur gemeinsam gestalten und meistern können. Und manchmal entsteht – aus der Not geboren - in solchen Zeiten sogar wunderbar Schönes. Ich persönlich empfinde beispielsweise die musikalischen Beiträge von der Empore in St. Maria als echten Genuss und hoffe, dass diese zur ständigen Einrichtung werden und nicht mit Corona verschwinden.  

Bleiben Sie gesund. Und behütet. In Gottes Namen.

Knut Landsgesell
*Quelle: kirche-im-swr.de, Beitrag vom 8. April 2020